Schon seit etwa 500 Jahren werden Kürbissamen in Europa gegen Beschwerden der Harnwege eingesetzt.
Dabei wuchs der Urahn des heutigen Arzneikürbis, der Gartenkürbis, ursprünglich gar nicht in Europa; seine Heimat ist Amerika, insbesondere Mexiko und der Süden der USA. In Europa kannte man bis zur Entdeckung des neuen Kontinents nur den Flaschenkürbis (Cucurbita lagenaria). Aber schon im 16. Jahrhundert wurde der Gartenkürbis an sonnigen, nährstoffreichen Standorten gepflanzt und in verschiedenen Formen und Farben gezogen.
Für medizinische Zwecke haben sich die Samen des Steirischen Ölkürbis besonders bewährt, aus dem schließlich eine Sorte durch Züchtung noch optimiert werden konnte: der moderne Arzneikürbis. Er wird vor allem in Ungarn in der pannonischen Tiefebene (pannonisches Becken) angebaut.
Medizinisch werden nur die Kürbissamen, volkstümlich auch Kürbiskerne genannt, verwendet, sowie das daraus kalt gepresste Öl. Die Samen des Arzneikürbis haben ein großes Spektrum an Wirkstoffen: neben fettem Öl mit ungesättigten Fettsäuren (v. a. Linolsäure und Ölsäure), Vitamin E, Carotinoiden, Selen, Mangan, Zink und Kupfer sind Pflanzensterole (z. B. Δ7‑Sterole) besonders bedeutsam.
Die genaue Wirkweise ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden u. a. antiandrogene Effekte (z. B. 5‑α‑Reduktase‑Hemmung) und entzündungsmodulierende Einflüsse. Ziel ist die Linderung von Miktionsbeschwerden; eine Verkleinerung der Prostata ist nicht belegt.
Kürbissamen werden traditionell zur Linderung von Reizblase und Miktionsbeschwerden eingesetzt, insbesondere zur symptomatischen Behandlung bei gutartiger Prostatavergrößerung (BPH, Stadium I–II). Die traditionelle Anwendung ist durch die HMPC‑Monographie (2012) anerkannt. Die Ursache sollte ärztlich abgeklärt werden; eine Verkleinerung der Prostata ist nicht belegt. Dabei wächst ein Teil der Vorsteherdrüse des Mannes, die die Harnröhre umschließt, im zunehmenden Alter und drückt deshalb die Harnröhre etwas zusammen, so dass die Blasenentleerung beeinträchtigt wird. Der Restharn führt zu häufigerem Harndrang und Nachträufeln. Etwa die Hälfte aller Männer über 50 leiden an Symptomen der BPH. Die regelmäßige Verwendung kann Beschwerden moderat lindern; Studien zeigen teils Vorteile gegenüber Placebo, jedoch nicht durchgängig und meist kleiner als bei Standardtherapien.
Gegen Bettnässen werden Kürbissamen traditionell verwendet; eine gesicherte Wirksamkeit ist nicht belegt.
Einzigartig ist das Cucurbitin, ein Aminosäure‑Derivat; der wurmtreibende Einsatz ist historisch beschrieben, wird heute aber durch moderne Wurmmittel ersetzt. Selbstmedikation wird nicht empfohlen.
Der regelmäßige Genuss der schmackhaften Samen liefert ungesättigte Fettsäuren, Vitamin E und Pflanzensterole und kann die Ernährung bereichern; er ersetzt jedoch keine ärztliche Behandlung.
Bei schmerzhaftem Wasserlassen, Blut im Urin, Fieber oder akutem Harnverhalt unbedingt ärztlich abklären.





