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Viele Werke der mittelalterlichen Pharmazie und Medizin stehen bislang nur in Form von - oft sehr unzuverlässigen - Frühdrucken des 16. Jh. zur Verfügung oder sind sogar ausschließlich in mittelalterlichen Handschriften fassbar. Ihr Studium erfordert überdurchschnittliche Kenntnisse in der lateinischen Fachsprache der mittelalterlichen Medizin, wie auch in der Paläographie. Somit sind selbst zentrale Werke der europäischen Medizin des Mittelalters einer modernen naturwissenschaftlichen Bewertung nicht zugänglich. Deshalb bemüht sich die Forschergruppe Klostermedizin, wichtige medizinische Schriften in gut lesbaren Ausgaben bereitzustellen und teilweise sogar mit Übersetzungen zu versehen.

Ein zentraler Text der Klostermedizin ist mit dem ‚Macer floridus’ des Odo Magdunensis bereits im Jahr 2001 vorgestellt worden.
(Höhepunkte der Klostermedizin. Der ‚Macer floridus‘ und das Herbarium des Vitus Auslasser. Hrsg. mit einer Einleitung und deutschen Übersetzung von Konrad Goehl und Johannes Gottfried Mayer. Reprint-Verlag Leipzig: Holzminden 2001)


Folgende Texte sind für eine Ausgabe weitgehend vorbereitet:

Johannes Platearius: ‚Curae’ (auch ‚Practica brevis’ genannt), Nosologie der Hochblüte der Schule von Salerno, verfaßt im 2. Drittel des 12. Jahrhunderts.
Text von Konrad Goehl unter Mitwirkung von J.G. Mayer nach einem Codex des 13. Jh.s, der vermutlich aus Salerno stammt, mit einer Übersetzung von K. Goehl.

‚Circa instans’: das „europäische Arzneibuch“ des Mittelalters zu den Einfachen Arzneimitteln (Simplicia). Um die Mitte des 12. Jh.s in Salerno vermutlich von einem Mitglied der Ärztefamilie der Platearii (Matthaeus Platearius?) geschrieben.
Text nach einer Handschrift des 13. Jh.s (aus der UB Erlangen) mit deutscher Übersetzung von K. Goehl, mit mehreren Registern.

Ibn al-Wafid: Aggregator (Pseudo-Serapion): Arabische Arzneimittellehre des Ibn al-Wafid aus der Mitte des 11. Jh.s (Toledo) in der Übersetzung des Simon von Genua und Abraham von Tortosa (um 1290). Nach einer ausgezeichneten italienischen Handschrift aus Cesena. Lateinischer Text mit mehreren Registern, erstellt von K. Goehl

Das „Weinbuch“ Gottfrieds von Franken. Text nach einer ausgezeichneten Handschrift der Bayerischen Staatsbibliothek München (14. Jh.), wobei vier weitere Handschriften des frühen 14. Jahrhunderts eingesehen wurden. Text und Übersetzung von K. Goehl.


Vergleich der Indikationen wichtigster historischer Arzneibücher mit den Indikationen der modernen Pharmazie:

Nach einem sehr aufwendigen Verfahren werden die Indikationen, welche die historischen Texte zu den einzelnen Arzneipflanzen bieten, mit den Indikationen aus 'Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis’ (5. Auflage und später) verglichen. 'Hagers Handbuch' wurde gewählt, weil es unter den pharmazeutischen Standardwerken die größte Anzahl an Monographien besitzt.

Die Vergleiche werden im Rahmen von Dissertationen durchgeführt. Folgende Werke der europäischen Medizingeschichte sind in diesen Vergleich einbezogen:

Constantinus Africanus: ‚Liber graduum’, zweite Hälfte 11. Jahrhundert

‚Circa instans’, Salerno Mitte des 12. Jahrhunderts und eine erweiterte französische Version aus der Zeit um 1500

Hildegard von Bingen: ‚Physica’, aus der Mitte des 12. Jahrhunderts

Johann Wonnecke von Kaub: ‚Gart der Gesundheit’, Peter Schöffer, Mainz 1485

Hieronymus Brunschwig, ‚Kleines Destillierbuch’, Straßburg 1500

Leonhart Fuchs, ‚New Kreuterbuch’, Basel 1543

Adam Lonitzer: Kräuterbuch, 1. Aufl. Frankfurt 1557, hier 1679

Christoph Wilhelm Hufeland: ‚Journal der praktischen Arzneikunde’, bzw. ‚Journal für praktische Heilkunde’ (1795-1836). Die für die Phytotherapie einschlägigen Artikel aus dem Hufelandschen Journal werden zusammengestellt und ausgewertet.

Sebastian Kneipp: Meine Wasserkur und Pflanzenatlas (2. Teil ist ein Kräuterbuch), 52. Aufl. 1894

 

 

Forschergruppe Klostermedizin

 

 

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