Obwohl der Lavendel eine Pflanze des Mittelmeerraumes ist, wird er von den antiken Autoren kaum beachtet. Dioskurides geht nur auf den Stoechas‑Lavendel oder Schopflavendel ein (Lavandula stoechas L.). Im Mittelalter, wie uns etwa Odo Magdunensis in seinem ‚Macer floridus’ zeigt, zählte man auch die Echte Narde hinzu, die eigentlich ein Baldriangewächs ist. Trotzdem scheint der Lavendel eine Entdeckung der Klosterheilkunde zu sein. Hildegard von Bingen beschreibt unter dem Namen „Lavandula“ den echten Lavendel, rät jedoch von einer innerlichen Einnahme ab. Sie rühmt sein starkes Aroma und empfiehlt ihn für eine Anwendung gegen Läuse. Noch heute werden Lavendelsträuße gegen Ungeziefer wie Motten und für einen guten Geruch der Kleidung in die Schränke gehängt.

Vielleicht ein Zeichen der Weisheit unserer Vorfahren, genau diese Kräuter und Gewürze in der Zeit der Jahreswende vermehrt einzusetzen, wobei man früher die Gewürze in den Lebensmitteln erheblich höher dosierte.

Der Zimt wird aus der Rinde verschiedener Lorbeergewächse (Lauraceae) gewonnen. Als Ceylon-Zimt gilt die Rinde von Cinnamomum verum (syn. C. zeylanicum); Cassia-Zimt stammt vor allem von C. cassia, C. burmannii oder C. loureiroi. In freier Natur können die Bäume bis zu 10 Meter hoch werden; in Kultur werden sie meist strauchartig gehalten. Die Rinde wird von 2–3 cm dicken Zweigen etwa sechs Jahre alter Pflanzen oder von Wurzelschösslingen älterer Pflanzen geerntet. Mehrere Stücke der Rinde werden ineinander gesteckt und in der Sonne getrocknet – so entstehen die Zimtstangen.

Die wichtigsten Anbaugebiete liegen in Sri Lanka, aber auch in Teilen Südostasiens, Madagaskar und auf den Seychellen.

Zu den maßgeblichen Inhaltsstoffen der Zimtrinde und des Zimtöls gehört insbesondere (trans-)Zimtaldehyd; das Blattöl ist eugenolreich. Daneben finden sich Gerbstoffe und Schleimstoffe. Ceylon-Zimt enthält nur Spuren von Cumarin; Cassia-Zimt kann deutlich höhere Cumarin-Gehalte aufweisen.

Zubereitungen aus Zimtrinde werden traditionell bei leichten, krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden mit Blähungen und Völlegefühl sowie bei leichten Durchfällen eingesetzt (HMPC). Für Tee aus geschnittener Rinde gelten als Richtwerte 0,5–1 g als Aufguss, bis zu 4‑mal täglich (insgesamt 2–4 g/Tag). Für Zimtöl liegen Richtwerte von 50–200 mg/Tag in 2–3 Einzeldosen vor. Die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit wird mangels ausreichender Daten nicht empfohlen; Überempfindlichkeit gegen Zimt oder Peru-Balsam ist eine Gegenanzeige. Unverdünntes Öl sollte nicht verwendet werden.

Antimikrobielle und fungistatische Effekte sind in vitro gut belegt; für weitergehende Anwendungsgebiete außerhalb des Verdauungstrakts ist die klinische Evidenz uneinheitlich.

Hinweis zur Lebensmittelpraxis: Bei häufiger Verwendung großer Mengen Cassia-Zimt (z. B. in Backwaren oder Tees) ist der Cumaringehalt zu berücksichtigen; Ceylon-Zimt ist coumarinarm.

Herkunft und Anbau

Ursprünglich stammt der Lavendel aus dem westlichen Mittelmeergebiet, wo er immer noch in großem Umfang angebaut wird. Berühmt sind die Lavendelfelder der französischen Provence, aber auch in Spanien gibt es große Kulturen, inzwischen auch in Südosteuropa. Lavandula angustifolia wächst häufig in höheren Lagen; in tieferen, wärmeren Lagen kommt es zu Kreuzungen mit dem Speik‑Lavendel (Lavandula latifolia).

Vom Lavendelstrauch werden hauptsächlich die Blüten (Lavandulae flos) verwendet. Sie werden getrocknet, oder das ätherische Öl (Lavandulae aetheroleum) wird unmittelbar nach der Ernte durch Wasserdampfdestillation aus den blühenden Spitzen gewonnen.

Inhaltstoffe

Lavendel zählt zu den Lippenblütlern (Lamiaceae). Das echte Lavendelöl enthält als Hauptkomponenten die Monoterpene Linalylacetat und Linalool; ferner kommen u. a. 1,8‑Cineol, Terpinen‑4‑ol, Lavandulol und Lavandulylacetat vor. In den Blüten finden sich außerdem milde Lamiaceen‑Gerbstoffe (u. a. Rosmarinsäure) sowie Flavonoide und Cumarine.

Anwendungen

Nach HMPC (EMA, 2012) gelten Lavendelblüten (Lavandulae flos) und Lavendelöl (Lavandulae aetheroleum) als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur Linderung leichter Symptome von mentalem Stress und Erschöpfung sowie zur Unterstützung des Schlafs (Monographien vom 27.03.2012). Für Lavendelöl wird für die orale Anwendung eine Tagesdosis von 20–80 mg angegeben; als Badezusatz 1–3 g je Vollbad. Die Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit wird mangels ausreichender Daten nicht empfohlen; Müdigkeit kann die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen (HMPC).

Zur klinischen Evidenz: Randomisierte Studien mit 80 mg standardisiertem Lavendelöl zeigen eine signifikante anxiolytische Wirkung bei subsyndromaler Angst, gemischten Angst‑Depressionszuständen und generalisierter Angststörung; Metaanalysen bis 2023/2024 bestätigen die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit (z. B. Dold 2023; Kasper 2024). Diese Daten stützen die traditionelle Verwendung, ersetzen sie aber regulatorisch nicht.

Für Verdauungsbeschwerden (Blähungen, leichte Krämpfe) liegen vor allem traditionelle Angaben vor; belastbare klinische Daten sind begrenzt. Äußerlich ist Lavendelöl in HMPC als Badezusatz beschrieben; Angaben zum unverdünten Auftragen auf die Haut macht HMPC nicht.