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Rufinus, Matthaeus Silvaticus, ‚Lexicon plantarum’, ‚Leipziger Drogenkunde’, Hans Minner, ‚Gart der Gesundheit’
Das 14. und 15. Jh. brachte keine neuen Gesamtenzyklopädien mehr hervor, es wurden jedoch Übersetzungen in die Volkssprachen vorgenommen; der ‚Liber de natura rerum’ des Thomas Cantimpratensis wurde beispielsweise mehrfach ins Deutsche übertragen. Dafür entstanden nun riesige Kräuterbücher bzw. Drogenkunden. Simon von Genua, der oben genannte Übersetzer des pseudo-serapionischen ‚Aggregator’ kannte anscheinend auch das nach 1287 fertiggestellte Kräuterbuch ‚Liber de virtutibus herbarum et de compositionibus earum’. Autor ist der Magister Rufinus, ein schwer zu identifizierender italienischer Kleriker, der sich als Beichtvater des Erzbischofs von Genua, gleichzeitig aber auch als "abbas monasterii de Tyro" bezeichnet. Er war bestrebt, das gesamte Wissen von den Kräutern in einem Buch zusammenzubringen. Er benutzte deshalb nahezu das gesamte einschlägige Schrifttum, das bis zum ausgehenden 13. Jh. verfügbar war. Als Quellen konnten das ‚Circa instans’, der ‚Macer’, der ‚Dyascorides alphabeticus’, der ‚Liber graduum’ des Constantin von Afrika, ‚De diaetis particularibus’ des Isaac Judaeus, das ‚Antidotarium Nicolai’, ferner chirurgische Rezeptliteratur ermittelt werden. Das Herbar ist mit 628 Kapiteln nicht nur eines der größten des Mittelalters, es ist auch das erste, in dem die Simplicia in einer vollalphabetischen Ordnung behandelt wurden.
Ein wichtiges, aber bislang kaum erforschtes Dokument ist der ‚Liber pandectarum medicinae’ (Druck: Venedig 1474) des spätsalernitanischen Arztes Matthaeus Silvaticus (geb. um 1280, gest. 1342). Er nennt neue Pflanzen, die sich bislang nicht im schriftlich fixierten Arzneischatz fanden, wie z.B. Angelica archangelica L.
Aus dem 15. Jh. sind mehrere große Kräuterbuch-Kompilationen erhalten, die wie die Handschrift des Rufinus über 600 Pflanzen- bzw. Drogenkapitel besitzen, aber zu den einzelnen Drogen noch deutlich mehr Text bieten: So das ‚Lexicon plantarum’, das in zwei Handschriften überliefert ist (München, UB, Ms.604; und der sog. „Fonseca-Kodex": Codex Casanatensis 459). Der Fonseca-Kodex entstand in der 1. Hälfte des 15. Jh.s in Venedig und kam schließlich in die Bibliotheca Corviniana, wo der heutige Münchner Codex als Kopie hergestellt wurde. Die Handschriften sind mit nur mäßig gelungenen Pflanzendarstellungen illustriert; von nun wird aber die bildliche Darstellung mehr und mehr zum Standard der Kräuterbücher. Textlich handelt es sich um eine durch Auszüge aus dem Dioskurides erweiterte Fassung das ‚Circa instans’. Durch weitere Auszüge aus dem Pseudo-Serapion und dem ‘Canon medicinae’ entstand der ‚Codex Guarini’, eine illustrierte Handschrift aus Brescia, die allerdings bereits dem 16. Jh. angehört.
Ebenfalls noch aus der 1. Hälfte des 15. Jh.s stammt eine entsprechende Kompilation in deutscher Sprache, die in einer Handschrift aus einem sächsischen Kloster erhalten ist (Leipzig, UB, Hs. 1224). Diese ‚Leipziger Drogenkunde’ (‚Von den einfältigen Arzneien’), bietet nicht nur die einzige vollständige deutsche Übertragung des ‚Circa instans’; es wurden auch zahlreiche Kapitel aus dem Pseudo-Serapion eingefügt, weitere Quellen sind der ‚Macer’ und der ‚Liber graduum’ des Constantinus Africanus sowie der sog. ‚Liber iste’.
Ein weiteres Projekt zu einem großen Kräuterbuch unternahm der Züricher Hans Minner in den Jahren 1478/79 mit seinem ‚Thesaurus medicaminum’, dessen Hauptquelle der pseudo-serapionische ‚Aggregator’ ist.
In diesen Zusammenhang gehört auch der ‚Gart der Gesundheit’, der 1485 bei Peter Schöffer in Mainz herauskam. Er stellt den ersten mit Holzschnitten illustrierten Druck eines Kräuterbuchs in deutscher Sprache dar. Für den Text war der Arzt Wonnecke von Kaub verantwortlich. Er orientiert sich grob an den Pflanzenkapiteln des ‚Circa instans’, bringt aber auch andere Quellen mit ein, sicherlich den ‚Aggregator’, wahrscheinlich auch den ‘Canon medicinae’, ferner nachgewiesenermaßen deutsche Werke wie den ‘Älteren deutschen Macer’ und das ‚Buch der Natur’ des Konrad von Megenberg. Wonnecke von Kaub arbeitete unzuverlässig: viele ausgewiesene Autoritäten sind falsch, bei den Drogennamen handelt es sich teilweise um Phantastereien: so werden arabische Namen als griechische ausgegeben. Dennoch war dem Werk ein sehr großer Erfolg beschieden: es wurde nicht nur mehrfach aufgelegt, sondern bildete den Kern zahlreicher weiterer Kräuterbücher des 16. Jh.s: zu nennen ist das Kräuterbuch des Eucharius Rößlin d.J., Frankfurt/Main (bei Christian Egenolf) 1533, erweitert 1535 (fünf Auflagen); Adam Lonitzer überarbeitete und erweiterte die Zweitredaktion Rößlins (1557 und 1569) ebenfalls bei Egenolf in Frankfurt; die Ausgabe hatte insgesamt 23 Nachdrucke, die kaum verändert wurden, die letzte Ausgabe erschien 1783. So gelangte der mittelalterliche Arzneischatz der Klostermedizin und der Schule von Salerno sowie der arabischen Medizin bis in das frühe 19. Jahrhundert und wirkt als „volksmedizinische Anwendung" in Teilen bis heute weiter.
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