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Klostermedizin in der Neuzeit
Auch mit dem Ende der Epoche der Klostermedizin im späten Mittelalter hörte das Engagement der Mönche und Nonnen im Bereich der Medizin nicht auf. Zwar stand nun schon eine größere Anzahl von Ärzten zur Verfügung, die auf den neu gegründeten Universitäten ausgebildet worden waren. Die bedeutendsten Schulen waren Montpellier in Südfrankreich und Padua in Norditalien, aber auch Paris spielte bald eine wichtige Rolle. Neben diesen akademischen Medizinern - auch Physici genannt - gab es die Wundärzte, deren Mitglieder keine Universität besucht hatten, sondern bei einem Meister in die Lehre gegangen waren. Viele Orden unterhielten auch weiterhin Spitäler, besonders entlang der Pilgerwege nach Rom und nach Santiago de Compostela. Hier wurden Kranke und Alte gepflegt, Sterbende auf ihrem letzten Weg begleitet. Erst am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit begannen die Klöster damit, ihre Spitäler für die Öffentlichkeit zu schließen. In Deutschland und im übrigen Nordeuropa kam zudem das Aus für viele Ordenshäuser durch die Reformation.
Klostermedizin in Lateinamerika
Durch die Entdeckung Amerikas begann zugleich eine neue Epoche der Klostermedizin. Schon mit den ersten Schiffen der Entdecker und Eroberer kamen auch Mönche auf diesen Kontinent. Bald erkannten sie den Mangel an medizinischer Versorgung und begannen, ähnlich wie im frühmittelalterlichen Europa, sich um die Kranken zu kümmern. Dabei verwendeten sie nicht nur das Wissen, das sie aus Europa mitgebracht hatten, sondern übernahmen auch die Heilpflanzen aus Mittel- und Südamerika, die von den Indianern genutzt wurden. Diese Pflanzen sandten sie dann zurück in die Heimat und bereicherten somit die europäische Heilkunde. So kamen die Passionsblume, die Kapuzinerkresse und viele weitere Pflanzen und Pflanzenstoffe zu uns.
Die Klosterapotheke und die ersten Apothekerinnen
Während viele Klosterspitäler ihre Pforten am Beginn der Neuzeit schlossen, erlebten die Klosterapotheken eine neue Blüte. Im Zeitalter der so genannten Gegenreformation, ab dem Ende des 16. Jahrhunderts und mit dem Beginn des Barock, kam es zu zahlreichen Neugründungen von Klöstern. Viele Klöster richteten eigene Apotheken ein, Männer- und Frauenklöster gleichermaßen. Manche standen lediglich der eigenen Gemeinschaft zur Verfügung, andere versorgten auch die gesamte Umgebung mit Arzneimitteln und Ratschlägen. Sie wurden oft aufwendig gestaltet, wie man dies in der ehemaligen Abtei Seligenstadt am Main, bei Aschaffenburg, wieder besichtigen kann. Erhalten hat sich zum Beispiel auch die Apotheke der Franziskanerinnen von St. Johannis im Gnadental zu Ingolstadt.
Gut dokumentiert ist das Beispiel der Elisabethinerinnen in München. Diese Frauengemeinschaft hieß eigentlich „Hospitalschwestern der heiligen Elisabeth" und hatte sich 1627 den Franziskanern angeschlossen. Die Frauen gelobten nicht nur Armut, Keuschheit und Gehorsam, wie die anderen Ordensgemeinschaften auch, sondern verpflichteten sich zusätzlich zur Pflege der Kranken und Armen. Im Schlösschen Azlburg in Straubing hatten sie ein Kloster eingerichtet, das auch ein Spital mit Apotheke umfasste. Eine zweite Niederlassung kam in München hinzu. Auch hier führten die Elisabethinerinnen neben dem Spital eine Apotheke, die in einem Bericht aus dem Jahr 1757 beschrieben wird. In der Apotheke arbeiteten drei Nonnen, eine als Apothekerin, zwei als Apothekengehilfinnen.
Die Apothekerinnen erhielten eine ordnungsgemäße Ausbildung und hatten nicht selten die Approbation. In Bayern war ab 1785 eine Approbation zur Führung einer Apotheke sogar Pflicht, obwohl die Offizinapotheker dagegen protestierten, weil die Ordensfrauen damit die gleiche berufsrechtliche Stellung innehatten. Aber es gab nicht nur Nonnen in den Klosterapotheken; in der Zisterzienserabtei Schöntal an der Jagst, eigentlich einem Männerkloster, gab es eine Apothekerin, Anna Maria Stroblin (gest. 1722), die in der dortigen Kilianskapelle eine bemerkenswerte Grabplatte erhalten hat.
Damit hatte die Apothekerin eine Vorreiterrolle für das Vordringen der Frauen in anspruchsvolle, professionell betriebene Berufsfelder eingenommen.
Klöster als „Pharmazeutische Betriebe"
Die Klosterapotheke brachte nicht nur die ersten Apothekerinnen hervor, auch die pharmazeutische Industrie hat ihr Vorbild in der Offizin der Monasterien. Einige Erzeugnisse aus Klosterapotheken wurden sehr populär, und weil die Klöster immer nach Einkommensquellen suchen mussten, begannen einige Abteien und Konvente damit, ihre Produkte in größeren Mengen herzustellen. Oft handelte es sich dabei um Destillate, denn die Kunst des Destillierens war im Mittelalter in den Klöstern weiterentwickelt und tradiert worden. So war der Melissengeist der Kapuziner aus Regensburg im 18. Jahrhunderts in Deutschland der berühmteste.
Viele Ordensleute und ganze Klöster engagierten sich auch in der Forschung. Das Ordensleben befand sich also keineswegs in einer schweren Krise, als in den Jahren 1803 bis 1806 durch die Säkularisation (Einziehung der Kirchengüter durch die weltliche Gewalt) sehr viele Klöster in Deutschland gewaltsam aufgelöst wurden. Auch wenn manches Kloster innerhalb der folgenden 50 bis 100 Jahre wieder neu belebt wurde, die alte Bedeutung erlangten in Deutschland nur ganz wenige. Deshalb muss man heute nach Österreich, besonders aber nach Italien schauen, um noch Klöster zu finden, die immer noch - oder in den letzten Jahren wieder - medizinische und hygienische Produkte herstellen und vertreiben. Auch aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist immer häufiger zu hören, dass dort Klöster in der medizinischen Versorgung der Landbevölkerung aktiv sind und auch selbst Kräuter anbauen und entsprechende Produkte herstellen.
Moderne Krankenpflege
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts endete mit der Säkularisierung die Geschichte der Klosterapotheken in Deutschland, nicht jedoch das Engagement der Orden auf dem Gebiet der Krankenversorgung. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden in Europa die sozialen Probleme, die durch die wirtschaftlichen Umwälzungen entstanden waren, nahezu unerträglich. So kam es zur Gründung neuer klösterlicher Gemeinschaften, die sich ganz der Pflege der Armen, Schwachen und Kranken widmen wollten. Viele schlossen sich dem Franziskanerorden an. Bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus war in vielen Fällen die Krankenschwester in der Klinik wirklich eine Nonne, deren Leben ganz im Gebet und in der Krankenpflege aufging, jenseits von ausgehandelten Arbeitszeiten; freilich musste der Dienstplan die Gebetszeiten berücksichtigen. Noch heute gibt es in Deutschland einige wenige Krankenhäuser und Kurkliniken, die von einer Ordensgemeinschaft geführt werden.
Eine wesentlich größere Rolle auf dem Gebiet der Krankenpflege als in Europa spielen bekanntlich die Mönche und Nonnen in Afrika sowie in Asien und Südamerika. Allerdings betreiben die Nonnen und Mönchsärzte heute keine eigene Heilkunde, sondern arbeiten vorwiegend mit den Methoden der Schulmedizin, wobei sie gerne auch Heilverfahren der jeweiligen Länder mit berücksichtigen.
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